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Transition 1

Transition
Weselys Bilder von Istanbul entstanden auf einer Reise, die der Künstler Anfang Februar 2005 unternahm. Istanbul lag tagelang wie begraben unter verdunkeltem Himmel und einer Schneedecke, die den Verkehr teilweise zum Erliegen brachte. Vom natürlichen Austauschprozess und der Lebendigkeit der Metropole war wenig zu spüren, von jenem kitschigen Folkloreorient, den die Postkarten preisen, sowieso nichts. Wesely kam mit dem Schiff aus Kadiköy, von der asiatischen Seite (von dort, wo Dienstag immer der grosse Markt ist), doch seine Bilder zeigen nichts von jenen unglaublichen Ausblicken auf den Bosporus oder die Stadtsilhouette. Natürlich lügt die Arkadien-Idylle der liebenden Seelen, die bis heute dicke Fotobände produzieren von jenem Teil der Stadt, der seit zweitausend Jahren existiert, den aber die Mehrzahl der Istanbuler gar nicht wahrnimmt, weil sie ihren urbanen Raum längst anderswo und unter dem Vorzeichen von Illegalität, Raubbau und Umweltzerstrung erbauten. Was Wesely macht ist das Spinnen eines symbolistischen Schicksalsfaden in Grau, der die Unausweichlichkeit des rücksichtslosen Angriffs der Gegenwart auf die Stadt zum Inhalt hat, improvisierend beiläufig formuliert und jeglichen euphorischen Leitton verneinend.

Christoph Tannert, Berlin 2005